Ebstorf hat einen neuen Gildehauptmann!

Enorme Beteiligung bei der Himmelfahrtsversammlung der Schützengilde

Normalerweise zieht es gerade einmal um die 40 Gildebrüder zur so genannten Schützenfest- oder auch Himmelfahrtsversammlung der Schützengilde Ebstorf, in diesem Jahr waren es fast dreimal so viele.

Üblicherweise geht es bei dieser Versammlung aber hauptsächlich auch nur um den Stand der Vorbereitungen zum Schützenfest und die, natürlich hochwichtige, Abstimmung, ob denn ein Schützenfest in Ebstorf gefeiert werden soll. In diesem Jahr aber erwies sich die turnusmäßige Wahl des neuen Gildehauptmanns als Mitgliedermagnet zu der Versammlung am Abend des 10. Mai, waren doch zum ersten Mal seit dem zweiten Weltkrieg gleich zwei Kandidaten angetreten: Michel Andres aus dem Schwarzen Korps und der Hauptmann des Joppen-Korps, Peter Müller. Wegen der Bedeutung der Wahl wurde geheim abgestimmt und die 107 Wahlberechtigten wurden einzeln zur Abstimmung aufgerufen, die Auszählung erfolgte durch drei Personen gleichzeitig. Das langwierige Prozedere hat die Spannung immer weiter ansteigen lassen, bis der 1. Gildeherr Dietrich Zarft gegen 19.30 Uhr endlich das Ergebnis der Wahl verkünden konnte: der neue Gildehauptmann heißt Michel Andres.

Zu den ersten Gratulanten gehörten neben Zarft und dem unterlegenen Müller natürlich auch der scheidende Gildehauptmann Uwe Beecken, der Andres seine silberne Amtskette von 1927 überreichte. Der Rest der Versammlung war dann wieder das „übliche Programm“, bei dem zunächst Schießoffizier Jürgen Tietz von der zuvor am Nachmittag durchgeführten Gildemeisterschaft berichtete. Die Ergebnisse der einzelnen Schießklassen in der Meisterschaft und des Schießens der ehemaligen Könige bleiben zwar wie immer bis zum Schützenfest noch ein Geheimnis, geehrt wurden aber bereits der Gewinner der Ehrenscheibe auf 50 m, über die sich Andreas Pehl mit einem 124,5 Teiler freuen konnte, sowie der beste Probeschuss auf 100 m, den Matthias Deneke mit einem hervorragenden 70,5 Teiler abgeliefert hat. Nach den Mitteilungen des Schießoffiziers stand der zweitwichtigste Teil dieser Versammlung an, in der der 1. Gildeherr Dietrich Zarft die im Schützenfeststatut vorgeschriebene alles entscheidende Frage stellte „Wollen wir in diesem Jahr ein Schützenfest feiern?“ Nicht ganz überraschend votierten aber auch in diesem Jahr die anwesenden Gildebrüder einstimmig mit „ja“. Nach dieser Formalie berichtete der Gildevorstand über den Stand der Vorbereitungen, die natürlich schon vor geraumer Zeit begonnen wurden, und der Gildeadjutant Andreas Kruskop erläuterte den vorgesehenen Ablauf des Schützenfestes.

Der alte und der neue Gildehauptmann

Der scheidende Gildehauptmann Uwe Beecken (66) ist seit 1971 Mitglied im Schwarzen Korps der Schützengilde, seit 1980 bekleidete er verschiedene Dienstposten in der Gilde. 1993 wurde er als Nachfolger von Friedrich Wilhelm Wichelmann zum Gildehauptmann gewählt und trat nun nach stolzen 22 Jahren als Gildehauptmann nicht mehr zur turnusmäßigen Wahl an. Sein Nachfolger, der Kaufmann und Oberleutnant der Reserve Michel Andres, mit 29 der jüngste Gildehauptmann seit 150 Jahren, ist seit 2010 vollwertiges Gildemitglied, ebenfalls im Schwarzen Korps, nachdem er bereits seit 2002 als junger Mann mit dabei war. Seit 2011 ist er der (inoffizielle) Hauptmann des Junggesellenumzuges am Schützenfestdonnerstag. Plant er als neuer Amtsinhaber nun große Änderungen? „Nein, natürlich nicht“ sagt Andres, „der Gildehauptmann ist zusammen mit dem Gildeadjutanten für die Wahrung der Traditionen zuständig“. Er muss es wissen, war sein Vater Volkmar Andres doch lange Jahre Gildeadjutant. Hat er Angst vor den großen Fußstapfen, die sein Vorgänger ihm hinterlassen hat? An dieser Stelle geht Beecken dazwischen: „Es gibt keine großen Fußstapfen, in die man treten muss, nur jeder sollte sich bemühen, seine eigenen zu hinterlassen“. Und was macht der alte Gildehauptmann nun mit seiner Freizeit beim Schützenfest? „Ich werde mich zurücklehnen, mein Veteranendasein genießen und feiern und freue mich, jetzt nur noch in einer Funktion offiziell auftreten zu müssen, nämlich als Bürgermeister“. Das heißt aber nicht, dass sich Beecken von jetzt auf gleich komplett zurückzieht: in der Anfangszeit wird er Andres in seinen ersten Amtshandlungen noch nach Möglichkeit unterstützen und auch die Wanderung ‚Grenzbeziehen’ am Tag vor Silvester wird er die nächsten drei Jahre noch durchführen „Dann muss der neue Gildehauptmann wissen, ob er das weitermachen will“. Ein Gerücht möchte Beecken schließlich schmunzelnd noch aus der Welt schaffen: „Dass ‚Gruß an Kiel’ beim Kommers extra für mich gespielt wird, nur weil ich mal Küchenbulle bei der Marine war, stimmt nicht. Das gehört zum festen Programm!“

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