Ebstorfer feiern im Juli mit dem Schützenfest ihre zweite Jahreszeit

Schützenfest zum 725. Jubiläum der Gilde hatte Überraschung im Gepäck

Zweite Jahreszeit? Diese Frage haben sich auch die Besucher des Kommerses zum Auftakt des Schützenfestes im Jubiläumsjahr der Gilde bei der Rede von Äbtissin Krüger zuerst gefragt. Den Begriff fünfte Jahreszeit als Synonym für eine Ausnahmesituation kennt man ja, vornehmlich in den Frohsinnsgegenden des Rheinlandes, aber zweite Jahreszeit? Die Antwort hatte Äbtissin Krüger natürlich auch parat: „In Ebstorfer kennen wir drei Jahreszeiten: vor dem Schützenfest, Schützenfest und nach dem Schützenfest“. Überhaupt war der Gildeabend in diesem Jahr von mehr launigen Reden als sonst geprägt. So konnte der zweite Gildeherr Andreas Puschmann berichten, dass im Rahmen der Bauarbeiten am Schießstand im vergangenen Jahr beim Ausschachten eine Brille ohne Gläser und mit nur einem Bügel gefunden wurde und der Gildevorstand nun daher eine Ermittlungsgruppe eingesetzt hat, die herausfinden soll, ob es in frühen Gildejahren einen einohrigen Gildebruder gegeben hat, der eine Sehschwäche nur vorgetäuscht hat. Ulf Hofferbert hingegen pries in seiner Rede, von der er zu diesem Zeitpunkt noch dachte es wäre die Rede zum Ende seiner Amtszeit als Vizemajestät, die Vorzüge und gleichsam medizinische Wirkung von Bier. Als Schlussfolgerung regte er an, der Adjutant solle doch einmal nachforschen, ob es nicht in den Gildearchiven vielleicht ein Rezept für ein Bockbier gäbe, das die Gilde dann zum Schützenfest brauen könnte. Geendet hat der Kommers wie immer am späten Abend mit dem großen Zapfenstreich im Schützenholz und anschließendem Fackelzug zum Winkelplatz, wo die „Post im Walde“ intoniert wurde.

Der Donnerstag begann wie jedes Jahr mit dem großen Umzug durch den Ort mit der Abholung der Ehrengäste zum Königsfrühstück im Schützenhaus. Beim Königsschießen hat der scheidende König traditionell nach dem Vertreter des Bundespräsidenten, Revierförster Karsten Lührs, als zweiter seine Schüsse auf die Königsscheibe abgegeben und dabei einen respektablen Teiler von 394,5 abgeliefert. Je weiter der Tag fortschritt, desto näher rückte die Sensation, die dann um Punkt 17 Uhr feststand: erstmals in der 725-jährigen Geschichte der Gilde konnte mit Peter Strosik ein König seinen Titel verteidigen, weil keiner der anderen über 30 angetreten Schützen eine bessere Zehn schaffte. Und so konnte Gildehauptmann Uwe Beecken am Abend im Kloster genau die Person im Kloster als neuen König vorstellen, die noch am Vormittag ebendort von der Äbtissin verabschiedet wurde. Der Königsball mit historischem Königstanz und der Zeremonie um den Hindenburgpokal am Freitag war dann für die Beteiligten schon Routine, denn durch die zweite Amtszeit von Peter Strosik als König kann sich auch Vizekönig Ulf Hofferbert über eine zweite Periode freuen.

Zum gelungenen Abend, bei dem wieder bis in die frühen Morgenstunden gefeiert wurde, trug erneut das perfekte Königsessen von Festwirt Olli Brink bei. Am Sonnabend standen wie immer die Kinder im Mittelpunkt des Festes. Nach dem Kinderschützenfestumzug gab es auf dem Festplatz zahlreiche Spiele und Preise für die kleineren, die größeren maßen sich im Wettbewerb um die Kinderkönigswürde.

Bei den Mädchen hatte Spielmannszugmitglied Cassandra Deneke beim Vogelstechen die Nase vorn, bei den Jungs gab Fabian Fink den besten Schuss mit dem Luftgewehr ab. Während die umliegenden Ortschaften am späten Nachmittag von einem schweren Unwetter mit heftigen Regenfällen heimgesucht wurden, kam Ebstorf nahezu ungeschoren davon, so dass das Kinderkönigspaar bei schon wieder bestem Wetter in sein Quartier gebracht werden konnte.

Am Sonntag schließlich wurde noch Bürgerkönig Steffen Schober vor dem Rathaus proklamiert, bevor die Gilde unterstützt von mehreren Gastvereinen und Musikzügen kreuz und quer durch den Ort letztmals in diesem Jahr ins Schützenholz marschierte, um das Schützenfest ausklingen zu lassen. Fast perfektes Wetter und zahlreiche Besucher haben das Schützenfest auch im Jubiläumsjahr 2014 zu einem der Highlights im Jahreslauf werden lassen.

 

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